Angedacht

Oktober 2021

Angedacht von Pastor Jannasch

Das Wunder hat sich wieder ereignet: Wieder konnte geerntet werden. Wieder ist die Saat aufgegangen, gewachsen und gereift. Wem haben wir das zu verdanken?

„Du tust deine milde Hand auf und sättigst alles was da lebt mit Wohlgefallen“. So betet ein Erntedank-Psalm der Bibel. Und wirklich: Die Erde ist reich. Es ist genug, ist sogar mehr als genug.

Aber warum hungern dann Millionen und Abermillionen Menschen? Warum ist die Idee von Eigentum auf dieser Welt so viel heiliger und wesentlich wirksamer als die von der Würde jedes Lebens? Warum sind Gewinne immer privat aber die Kosten an Mensch und Umwelt ein Problem der Allgemeinheit?

Woher diese tiefe Angst und Sorge, ich könnte zu kurz kommen? Und warum wächst diese Angst ausgerechnet mit dem Reichtum? Warum sind die Bilder des Elends in Afrika oder im Jemen und von Ertrinkenden an unseren Grenzen so folgenlos während Katzenvideos Millionen Klicks bekommen? Warum weckt die Flucht von Millionen Menschen aus Armut und Krieg Hass - aber die Flucht von Milliarden Euros vor den Staatskassen nur hilfloses Achselzucken? Ist das nicht alles furchtbar undankbar?

Der Dank zeigt uns die Ungerechtigkeit. Wir feiern Erntedank in einer Welt voll himmelschreiender Gegensätze in einem der reichsten Länder dieser Welt. Aber Gottes Stimme ist nicht die, die mir sagt: „Du bist ein undankbarer Heuchler und erntest was du nicht gesät hast: Schäme Dich und tue fromme Werke!“

Gottes Stimme ist ähnlich der, die solches zu mir sagt: „Du bist ein undankbarer Heuchler und erntest was du nicht gesät hast. Ich will, dass Du davon geheilt wirst. Lass es los, keine Angst, ich bin bei dir! Kopf hoch! Ich werde dir genügen. Wenn Du mir wirklich vertraust, dann zeige ich dir Wege, die du jetzt nicht sehen kannst. Dann werde ich mit Dir etwas ändern und dein Leben wird einen Unterschied machen. Du wirst frei sein!“

So jedenfalls könnte man einige der wichtigsten Jesus-Worte zusammenfassen.

Erntedank also ist das Lob Gottes indem wir mit seinen Gaben so umgehen, wie sie gemeint waren: Als Geschenk zum Leben. Es geht um das Teilen. Und im Dank wird dieses Teilen zur freien, fröhlichen, gerechten Tat. Ohne Dank würde Teilen zur frommen Pflichtübung, zum Verzicht oder zum gönnerhaften Almosen und Gewissensablass. Wo sich das Teilen so anfühlt, fehlt ihm Glaube und Dank. Und das ist bitter. Denn es muss nicht so sein. Also los. Wir sind eingeladen: Niemand braucht sich zu schämen. Weder die, die wenig haben und auch nicht die, die viel haben. Lasst uns danken und teilen! Bitten wir Gott dabei um seine Freude und seine Freiheit! Beginnen wir heute wieder neu, diese alte Verheißung zu erfüllen! Und machen wir morgen damit weiter: Zu Hause, bei der Arbeit, in der Familie, bei den Nachbarn, in unserem Ort und in der Politik.

Beste Grüße, Ihr Pastor Jannasch