Angedacht

März 2024

Angedacht von Pastorin Rauchfleisch

„Ich bin im Garten!“ Das lese ich auf einem hübsch gestalteten Keramikschild an der Haustür als ich eine Bekannte besuchen will. Also spare ich mir das Klingeln und gehe um das Haus herum in den Garten.  Andrea ist dabei ihren Garten von den Spuren des Winters zu befreien und ganz in ihrem Element. Als sie mich sieht, sagt sie: „Wie schön, dass passt gut! Ich wollte gerade eine Pause machen. Komm, wir setzten uns in die Sonne, trinken einen Kaffee und gönnen uns eine Auszeit.“

Andrea hat der Garten immer schon viel bedeutet: kreativ sein, Schönes gestalten, Schöpfung spüren, mit Freunden feiern, abschalten vom Alltag, sich zurückziehen, einen Moment Stille genießen, neue Kraft tanken.

Während ich mit Andrea die erste Frühlingssonne genießen, denke ich an einen anderen Garten: Die Wege sind steinig, die Sonne hat den Boden ausgetrocknet, die Oliven an den alten, knorrigen Bäumen färben sich langsam schwarz. Still ist es in diesem Garten, Stille des Todes vielleicht. Im Garten Gethsemane in Jerusalem sucht auch jemand nach einem Moment der Ruhe. Er will mit seinen Gedanken allein sein. Er braucht einen Ort um zu beten, Kraft zu finden. Am Abend vor dem Karfreitag zieht sich Jesus in den Garten zurück. Er weiß, was ihn erwartet, dass er den Tod am Kreuz auf sich nehmen wird. Jesus wendet sich an Gott, seinen Vater, er betet: „mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber, doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst.“

Kraft finden im Gebet, Kraft finden in dem Wissen: Gott ist da, ich kann ihm meine Ängste und Sorgen überlassen. Jesus findet Vertrauen und Frieden in diesem Garten, auch und gerade am Abend vor Karfreitag. Vielleicht finden auch wir solche Kraftorte. Für manche ist es ein Garten, für andere eine Kirche oder ein Gottesdienst, gerade jetzt in der Passionszeit. Ich glaube, wir brauchen Orte für eine Auszeit, für Stille, aber auch für Freude und Fröhlichkeit.

In Garten blinzelt Andrea in die Sonne und sagt: weißt du, wenn ich hier sitze, dann denke ich oft an meine Eltern. Daran wie sehr sie diesen Garten geliebt und gepflegt haben. An die Gespräche über Gott und die Welt, an das Lachen und an manche Tränen. Für mich wird dieser Garten immer ein Ort der Zuversicht und der Hoffnung sein.“

Solch einen Ort wünsche ich Ihnen.

Es grüßt herzlich

Petra Rauchfleisch