Angedacht

Mai 2024

Angedacht von Pastorin Rauchfleisch

Im Fernsehen sah ich kürzlich eine schöne altmodische Szene. Die Kinder und die Erwachsenen haben sich getroffen, um sich voneinander zu verabschieden. Die Familie hat eine längere Reise vor, man wird sich eine Weile nicht persönlich sehen.

Als alle ins Auto steigen und vom Hof fahren, da winken die Zurückbleibenden mit ihren Taschentüchern hinter den Freunden her.

Ein rührendes Bild, ein Bild des Abschieds und der Trennung. Das Taschentuch ist nicht nur ein Gebrauchsgegenstand, mit dem man sich die Tränen abwischen kann, sondern es wird auch zum Symbol des Abschieds.

Vielleicht hätten die Freunde Jesu auch ein solches Taschentuch gut gebrauchen können – am ersten Himmelfahrtstag.

Himmelfahrt hatte auch etwas mit Abschied zu tun.

Jesus wird vor den Augen seiner Freunde in den Himmel aufgenommen und verschwindet. Die Jünger bleiben allen zurück. So berichtet es die Apostelgeschichte.

Hatten die Jünger Tränen in den Augen oder waren sie einfach nur fasziniert und verblüfft als Jesus plötzlich verschwand?

Ich denke, sie hätten ein Taschentuch gut gebrauchen können. Denn sie hätten sich für die Zeit, in der sie wieder allein sein sollten, einen Knoten hinein machen können, damit sie all das, was Jesus ihnen gesagt hat, nicht vergessen würden.

Den ersten Knoten hätten sie dafür machen können, um sich daran zu erinnern, dass Jesus gesagt hat: wartet auf den Geist, den Tröster, den mein Vater versprochen hat. Bleibt hier. Weil uns allen die Verheißung gilt: Gottes Trost kommt zu uns.

Ein zweiter Knoten im Taschentuch könnte die Jünger erinnern, dass Jesus uns ein Abschiedsgeschenk hinterlassen hat: „Ihr werdet mit dem Heiligen Geist erfüllt werden und dieser Geist wird euch Kraft geben.“ Jesus lässt seine Freunde nicht im Stich. Der Geist Gottes will unser Begleiter sein, uns Kraft geben und Zuversicht schenken. Das Fest wird die christliche Gemeinde später „Pfingsten“ nennen.

Im Taschentuch ist noch Platz für einen dritten Knoten. Er soll die Jünger und uns daran erinnern, dass Jesus wiederkommt. Himmelfahrt ist ein Abschied „auf Zeit“. Jesus wird wiederkommen. Das klingt unglaublich. Genauso unglaublich wie die Nachricht von der Auferstehung Jesu. Wir wissen nicht wann oder wie Jesus wiederkommen wird. Aber er wird wiederkommen. Das Versprechen haben wir. Schließlich hat Jesus nicht gesagt „ich bin dann mal weg“, sondern „auf Wiedersehen!“ 

Es grüßt sehr herzlich

Petra Rauchfleisch

Pastorin im Kirchenkreis Melle-Georgsmarienhütte